Anton Kolhonen in einem weißen Hemd mit einem Jackett über der Schulter.

Anton Kolhonen zu Beginn eines neuen Studienjahres.

Ein neues Studienjahr

28.8.2023 · 3 Min. Lesezeit

Ein neues Studienjahr. Ein persönlicher Text über Disziplin, Bildung und Glauben als Stützen auf einem langen akademischen Weg.

Kategorie
✍️ Reim und Poesie❗️ Top-Ideen

Ein neues Studienjahr

Die gute alte Erzählung: Der Herbst ist da, und mit ihm ein weiteres Studienjahr — für mich bereits das einundzwanzigste. Irgendwann wurde mir klar, dass sich diese Strecke nicht mehr im Sturm nehmen lässt. Man kann nicht einfach Kaffee einschenken, zu einem Kraftakt ansetzen und hoffen, dass sich die Dissertation von selbst zusammenfügt. Die Promotion erwies sich nicht als Sprint, sondern als Langstreckenlauf.

Für dieses Jahr habe ich für mich eine einfache Formel gefunden: Disziplin, Bildung und Glaube. Darauf ruht der ganze Text.

Disziplin

Die seltsamste Erkenntnis war, dass ich mich häufiger bremsen als antreiben muss. Nicht in Schüben leben, sondern einen gleichmäßigen Rhythmus lernen. Nicht hektisch werden, sondern die Kräfte über die gesamte Strecke verteilen.

Ich verstehe immer klarer, was mich tatsächlich wieder in einen arbeitsfähigen Zustand bringt:

  • Laufen und Training;
  • Lesen;
  • ein normaler Ernährungsrhythmus;
  • Lehre und Massagepraxis.

Selbstwahrnehmung zeigt die Richtung, und Disziplin hilft mir, meine Kräfte nicht zu zerstreuen.

Ihr Berufsleben gleicht einem Marathon, der sich nach und nach in einen Zehnkampf verwandelt.

— J. Sallenbacher“Creative Personal Branding”, S. 136

Bildung

Lernen ist für mich schon lange keine Funktion von Status mehr, sondern eine Art zu leben. Es endet nicht und verspricht keine vollständige Erkenntnis. Im Gegenteil: Je weiter man geht, desto deutlicher sieht man, dass man niemals ganz ans Ende gelangt. Aber genau das hält den Weg lebendig.

Mir liegt die Metapher einer Tür nahe, die sich nicht öffnen lässt. Man stemmt sich immer wieder dagegen, und die angesammelte Anstrengung geht nicht verloren. Manchmal eröffnet sich eine Chance ganz plötzlich, gerade weil man bereits in Form war und nicht zu früh gegangen ist.

Glaube

Für mich lässt sich Glaube weder auf einen Namen noch auf ein fertiges System reduzieren. Er ist das, was den inneren Vektor hält, wenn außen zu viel Lärm ist.

Die Tiefenpsychologie versteht, dass das Ziel des Lebens nicht Glück ist, das immer nur vorübergehend bleibt, sondern Sinn.

— James Hollis

Es gibt Erfahrungen, aus denen mit der Zeit nicht Schwäche, sondern Treibstoff wächst. Schmerz, Fehltritte, Sehnsucht, Anspannung — all das kann in eine gesammeltere, konzentriertere Form des Lebens eingeschmolzen werden.

Erinnerst du dich noch, glühende Seele,

Wie wir damals von diesem Durst gequält wurden,

Die Welt der Menschen verstehen wollten,

Nachts unter den Sternen träumten

Von einer Welt voller Möglichkeiten hinter dem dunklen Wald.

Wir lasen Fromm und legten das Fundament.

Und glaubten daran, dass man anders leben kann.

Entschlossen, dem Klang der Trommel zu folgen,

Der so deutlich in seiner Seele erklang.

Und nun sind wir hier — mit Liebe zur Sache und klarem Blick.

— Anton Kolhonen

Quellen

  • Sallenbacher J. “Creative Personal Branding”.
  • McGonigal K. “The Willpower Instinct”.
  • Montaigne M. “Essais”.
  • Nietzsche F. „Also sprach Zarathustra“.
  • Hollis J. “The Middle Passage”.
FAQ

Fragen zum Artikel

01Was hilft dabei, einen langen akademischen Weg durchzuhalten?

Der Autor stützt sich auf das Zusammenspiel von Disziplin, lebenslangem Lernen und Glauben. Disziplin schafft ein tragfähiges Tempo, Bildung hält den Weg lebendig, und Glaube bewahrt die innere Richtung, wenn schnelle Ergebnisse ausbleiben.

02Warum wird die Promotion mit einem Marathon statt mit einem Sprint verglichen?

Eine Dissertation lässt sich nicht mit einem einzigen Kraftakt abschließen. Die lange Strecke verlangt, Kräfte einzuteilen, sich zu erholen und ohne Hektik weiterzuarbeiten; ein gleichmäßiger Rhythmus ist deshalb wichtiger als ein heroischer Schub.

03Wie können schwierige Erfahrungen Entwicklung unterstützen?

Schmerz, Fehltritte, Sehnsucht und Anspannung gelten im Text nicht als an sich wertvoll. Sie können zu Erfahrung und innerem Antrieb werden, wenn ein Mensch sie in eine gesammeltere Art zu leben und zu handeln verwandelt.

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