Sublimierung
Ein Teil der Libido entgeht der Verdrängung, indem er „von Anfang an in Wissbegierde sublimiert und mit einem starken Forschungsdrang als dessen Verstärkung verbunden wird“. Die Sexualität belagert das Denken; sie wird in das partielle Vergnügen des Schauens umgeleitet und zwingt dieses zu einer Verschiebung ins Intellektuelle, das Macht und Sicherheit im Wissen vermittelt.
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Bemerkenswert ist, dass die Idee der Sublimierung „von Anfang an“ eine sofortige Desexualisierung einschloss, als wäre dieses Opfer notwendig, um wenigstens einen Teil der Libido zu retten, indem man ihn verändert. Sexuelles Begehren verwandelt sich in Wissensdurst. Ist das nicht eine andere Form der Idee, das Objekt zu „beherrschen“? Wenn man davon spricht, ein Thema zu „beherrschen“, meint man intellektuelle Arbeit. Lässt sich hier eine Wiederholung der regressiven Bewegung des Sexualtriebs erkennen, der sich auf oppositionelle Paare zurückzieht: Voyeurismus — Exhibitionismus und Sadismus — Masochismus? Der Wissensdurst ist dem Paar Voyeurismus — Sadismus nicht fremd; Epistemophilie tritt an die Stelle der Skopophilie, und das Streben nach Aneignung ersetzt den Wunsch nach sadistischer Dominanz.
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Fragen zum Artikel
01Was ist Sublimierung in der psychoanalytischen Theorie?
Sublimierung bezeichnet die Umwandlung von Triebenergie in sozial oder kulturell produktive Tätigkeit wie Forschung, Kreativität oder geistige Arbeit. Der Beitrag stellt die Idee über André Greens Theorie dar.
02Wie verbindet André Green Sexualtrieb und Wissensdrang?
Er beschreibt eine Verschiebung libidinöser Energie von unmittelbarer sexueller Befriedigung zu Forschung, Schauen und geistiger Beherrschung eines Gegenstands. Dies ist eine psychoanalytische Interpretation.
03Ist Sublimierung ein bewiesener universeller Mechanismus des Denkens?
Nein. Sie ist ein einflussreicher psychoanalytischer Begriff, doch der Text beweist nicht, dass jede Neugier oder geistige Arbeit aus Sexualtrieb entsteht. Andere Modelle erklären Motivation anders.
