Das dritte Jahr der Promotion: eine Brücke zur Psychotherapie
Das dritte Jahr der Promotion: eine Brücke zur Psychotherapie
Der September markierte den Beginn meines dritten und letzten Promotionsjahres. Damit setzt sich meine Reise in die Psychologie fort, die inzwischen schon acht Jahre dauert. Dieser Weg voller Lernen, Forschung und Lehre bringt mich näher an das, was ich als meine eigentliche Berufung erlebe: die Psychotherapie. 🕎
Auf diesem Weg ist einiges entstanden: dreizehn veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten, Unterricht mit Studierenden, Mitarbeit in Programmen der beruflichen Weiterbildung. Doch all das ist für mich vor allem der Bau einer Brücke — einer Brücke, die ich für mich und für andere errichte, um nach dem Abschluss meiner Promotion mein Leben der Aufgabe zu widmen, Menschen dabei zu helfen, selbst in den dunkelsten Winkeln ihrer Seele Licht zu finden.
⚜️ Pablo Picasso soll einmal gesagt haben:
Der Sinn des Lebens besteht darin, seine Gabe zu finden. Der Zweck des Lebens besteht darin, sie weiterzugeben.
Dieser Gedanke spiegelt sich in meiner wissenschaftlichen und beruflichen Arbeit. Meine Forschung beschäftigt sich mit der Dialektik von Gut und Böse, weil ich als zukünftiger Psychotherapeut die Dunkelheit verstehen muss, mit der Menschen zu mir kommen können.
Hier ist für mich ein Gedanke von Irvin Yalom besonders wichtig:
Ein wesentlicher Teil unserer beruflichen Ethik besteht darin, vor nichts die Augen zu verschließen.
Dieser Satz verweist auf die Tiefe und Schwierigkeit psychotherapeutischer Arbeit. Als Therapeuten können wir uns von den dunkelsten und schmerzhaftesten Seiten menschlicher Natur nicht abwenden. Dafür braucht es nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, die Tiefe von Lebenssituationen zu verstehen und zu spüren und zugleich bei einem Menschen zu bleiben, selbst wenn er Fehler gemacht oder falsch gehandelt hat. Die Dunkelheit zu verstehen ist für mich nicht nur ein akademisches Interesse, sondern eine ethische Verpflichtung.
In meiner Promotion untersuche ich, wie die Dialektik von Gut und Böse die Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst. Ich glaube, dass der Verzicht auf die Vermeidung des Negativen und die bewusste Auseinandersetzung damit ein Weg zu einem produktiveren Leben sein können.
Wir Therapeuten müssen für all unsere eigenen dunklen und beschämenden Seiten offen sein, und es gibt Momente, in denen das Erzählen davon Patienten die Möglichkeit gibt, aufzuhören, sich für ihre eigenen wirklichen oder eingebildeten Vergehen selbst zu geißeln.
Und ich möchte es mit den Worten eines meiner Lieblingskünstler sagen:
Ich habe alles gesehen: von Oxford bis Vauxhall,
Von Hummer und Koks auf Tabletts bis zum Straßenraub,
Von Gratis-Austern und Postcodes unter den Sneakern —
Ich kenne sowohl den Abfall als auch den Glanz dieser Insel.
Oder, wie ich selbst einmal schrieb:
Von Kellern, Süchtigen, Monstern und Leere,
Bis zu soliden Büros, Dissertationen und Höhen.
Es gab Zeiten des Tauchens in die Dunkelheit,
Es gab Zeiten heller Blitze, eines Paradieses vor Augen.
Dieser Weg ist noch nicht zu Ende, aber ich sehe sein Ziel bereits. Sobald ich meinen wissenschaftlichen Abschluss erhalten habe, möchte ich mit psychotherapeutischer Praxis beginnen und meine Arbeit darauf ausrichten, Menschen dabei zu helfen, ihre Dunkelheit zu erforschen und Licht zu finden.
An einem trüben Herbstabend spät
Ging ein alter Wanderer einen Bergpfad entlang.
Nur wenig Weg lag noch vor ihm,
Doch eine Schlucht legte sich ihm entgegen.
Der Abgrund hielt den Wanderer nicht auf:
Er stieg den Hang hinab, ohne Steinschlag zu fürchten,
Kletterte auf der anderen Seite hinauf und begann
Im Licht der Sterne eine Brücke zu bauen.
Ein zufälliger Passant fragte ihn:
„Alter Mann, hast du den Verstand verloren?
Du bist doch schon drüben, auf der anderen Seite.
Ruhe und ein warmer Schlafplatz warten auf dich —
Warum verschwendest du deine Kraft?“
Der Alte hob den Kopf:
„Heute Morgen ist nach mir
Ein junger Mann auf diesem Weg aufgebrochen.
Mich erschreckt diese Schlucht nicht mehr,
Aber er ist jung und kennt das Leben noch nicht.
Ich bin alt, ich brauche für mich nichts mehr.
Diese Brücke ist nicht für mich. Sie ist für ihn.“
Es liegt noch viel Arbeit vor mir, aber ich bin bereit für diese Herausforderungen und hoffe, dass ich durch meine Arbeit die Welt wenigstens ein wenig besser machen kann.
★★★★★ 5/5

Anton Kolhonen
E-Mail: kolhonena@gmail.com
Bei Fragen schreibt mir auf Telegram.
Fragen zum Artikel
01Wie wird die Promotion für den Autor zu einer Brücke zur Psychotherapie?
Forschung, Lehre und berufliche Bildung schaffen eine theoretische Grundlage und ethische Bereitschaft für die spätere Praxis. Akademische Leistungen sind für ihn kein Endpunkt, sondern Teil des Weges zur Arbeit mit menschlichem Erleben.
02Welche akademischen Ergebnisse hält der Autor im Beitrag fest?
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im September 2024 nennt er dreizehn wissenschaftliche Arbeiten, die Lehre mit Studierenden und die Teilnahme an beruflichen Weiterbildungsprogrammen.
03Wie hängt die Erforschung von Gut und Böse mit der künftigen psychotherapeutischen Praxis zusammen?
Der Autor betrachtet das Verständnis dunkler und schmerzhafter Seiten menschlicher Erfahrung als berufliche und ethische Pflicht. Es geht nicht darum, Handlungen zu entschuldigen, sondern dem Menschen nicht auszuweichen.
04Wie steht diese Position zum DET-Postulat „Schatten und Licht“?
Beide Sinnzusammenhänge verlangen, innere Verschiedenheit anzuerkennen und mit Gegensätzen zu arbeiten, statt unbequeme Erfahrung auszuschließen. Der Beitrag entfaltet dies über die Entwicklung eines künftigen Therapeuten.
05Berichtet der Beitrag von einer abgeschlossenen Promotion und bereits begonnener Praxis?
Nein. Er hält den Beginn des dritten Promotionsjahres im September 2024 und Zukunftspläne fest; Abschluss und Beginn der Praxis werden im Text nicht bestätigt.
